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Sie rückten in Wehrmacht ein, weil Sie in Teschner Schlesien lebten. Eine Geschichte von Jan Bury aus Bukowetz.

Die zahlreiche Gruppe der Tschechen in der Wehrmacht bildeten die Bewohner des ethnisch gemischten tschechisch-polnisch-deutschen Teschener Schlesiens. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Teschener Schlesien von Polen annektiert, nach dem Angriff auf Polen anschließend vom Dritten Reich. Die deutschen Behörden trugen die Bewohner des Teschener Schlesiens – zunächst freiwillig, später unter Zwang – in die sogenannte Volksliste III ein. Durch die Eintragung in die Volksliste wurde ihnen bedingt die Reichsbürgerschaft zuerkannt, und sie unterlagen der Mobilisierung in die deutsche Armee. Die meisten Schlesier wurden im dritten und vierten Kriegsjahr eingezogen.

Hier bringen wir die erste Geschichte aus der Teschener Region – die Geschichte von Jan Bury, der in deutscher Uniform unweit von Trondheim in Mittelnorwegen diente.

Jan Bury wurde 1924 im Teschener Schlesien in der kleinen Grenzgemeinde Bukowetz geboren. Er war Einzelkind und arbeitete nach dem Abschluss der achtjährigen Schulpflicht an der Schule in Bukowetz als Landarbeiter. Wie viele Einwohner des Teschener Schlesiens sprach er Tschechisch, Polnisch und Deutsch. Während des Krieges wurde Jan Bury noch vor seinem 18. Geburtstag zur deutschen Armee eingezogen, obwohl sich seine Familie als tschechisch betrachtete. Er gab an, dass er im Falle einer Verweigerung ein Militärgericht riskiert hätte. Im Oktober 1942 begann er seine Ausbildung beim 2. Infanterie-Ausbildungs-Bataillon 42 in Bayreuth. Er diente beim 4. Grenadier-Regiment 772 südlich von Trondheim in Støren. Die deutsche Uniform trug er zweieinhalb Jahre lang und erreichte lediglich den niedrigen Dienstgrad eines Gefreiten.

Nach der Kapitulation kam er in ein Kriegsgefangenenlager in Lånke bei Trondheim. Im August wurde er von einem tschechoslowakischen Repatriierungsoffizier verhört, und Ende 1945 kehrte er in die Tschechoslowakei zurück.